Lamune
Episode 12: 100 erwiesene und 100 geschuldete Gefallen
Die traurigste Episode dieser Serie beginnt damit, dass Nanami in ihrem Bett aufwacht, bevor ihr Wecker klingelt - kein gegenseitiges Wecken mehr zwischen Nanami und Kenji. Auf dem Weg zur Schule geht Nanami an Suzuka vorbei, ohne diese anzusehen oder ein Wort mit ihr zu wechseln. Auf halbem Weg biegt Nanami ab in Richtung Krankenhaus, während Suzuka ihrer Freundin nachblickt.
Im Krankenhaus begrüßt Nanami den Patienten:
| Nanami: | Guten Morgen, Ken-chan. |
|---|
Aber Kenji antwortet nicht - regungslos liegt er auf seinem Krankenbett, angeschlossen an die Schläuche zur intravenösen Ernährung des Koma-Patienten.
Rückblende zum Tag von Kenjis Unfall: Gerade hat sich die Tür des Operationssaals hinter Kenji geschlossen, als Nanami atemlos (aber zu spät) herbei geeilt kommt. Suzuka, Hikari und Kenjis Vater sitzen mit bedrückter Miene auf einer Bank im Gang; Suzuka hält den Stress nicht länger aus und weint sich bei Nanami aus:
| Suzuka: | Onii-chan ist... Onii-chan ist... |
|---|
"...mit dem Motorrad schwer verunglückt". Mehr kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt sein. Auch Nanami ist von der Situation völlig überfordert:
| Nanami: | Und was tun wir jetzt? |
|---|
Nanami hat noch den blauen Fisch in der Hand, den sie gerade erst im Garten gefunden hatte - und plötzlich erinnert sie sich wieder an die Abschiedsszene von Hiromi am Bahnhof:
| Hiromi: | Aber manchmal sollte man sich mit dem aktuellen Zustand nicht zufrieden geben. |
|---|
Vor dem Auge der Zuschauer läuft noch einmal der Schicksalsschlag ab, der die Personen dieser Geschichte so unvermittelt getroffen hat: Nanamis Wassermelone im Garten, Kenjis Fahrt auf dem Motorrad, der Einsturz der Landstraße, Kenjis Unfall.
Suzuka ist in Tränen aufgelöst - aber Nanami steht einfach nur unter Schock. Sie kann einfach nicht fassen, dass nichts in ihrer kleinen Welt mehr so ist wie zuvor (siehe ED-Song). Mechanisch und ratlos wiederholt sie ständig dieselben Worte:
| Nanami: | Das ist ja schrecklich... |
|---|---|
| Nanami: | Was nun? |
| Nanami: | Was soll ich bloß tun? |
| Nanami: | Was soll ich bloß tun, Ken-chan? |
In der Schule hat der Unterricht wieder begonnen:
| Lehrer: | So, die Sommerferien haben wir nun also hinter uns. |
|---|---|
| Lehrer: | Ein Blick auf eure Hausaufgaben wird genügen, um mir zu zeigen, wer in den Ferien fleißig war und wer nicht. |
Hatano blickt hinüber...
| Lehrer: | Diese Hitze wird wohl noch eine Weile andauern, |
|---|
... zu den beiden leeren Plätzen in seiner Klasse: Den Plätzen von Kenji und Nanami.
| Lehrer: | ...aber da müssen wir eben durch. |
|---|---|
| Lehrer: | Also ertragt das Wetter und konzentriert euch aufs Lernen. |
Nanami hat keine Zeit für die Schule - sie sitzt Tag für Tag am Krankenbett ihres geliebten Kenji und tut so, als wäre dieser wach und könnte sie hören:
| Nanami: | Bitte schön, Ken-chan, das ist der Kürbispudding, den du neulich so gelobt hast. |
|---|
Nanami versucht einen kleinen Scherz, um den Patienten dazu zu bewegen, den Pudding tatsächlich zu essen (in Erinnerung an die Szene, als Kenji ihr den "Nanami Spezial" stibitzt hatte):
| Nanami: | Den musst du aber schnell aufessen, Ken-chan, sonst esse ich ihn dir weg. |
|---|
Aber es erfolgt keine Reaktion - Kenji liegt regungslos auf dem Bett. Nanami sucht nach weiteren Argumenten:
| Nanami: | Komm schon, der Pudding wird doch warm... |
|---|
Doch es hilft alles nichts: Kenji rührt sich nicht. Mit leichtem Vorwurf tadelt ihn seine Freundin:
| Nanami: | Siehst du, jetzt muss ich dir einen Frischen machen. |
|---|---|
| Nanami: | Dafür schuldest du mir jetzt aber einen weiteren Gefallen. |
Und diese Gefallen sind es letzten Endes, weshalb Nanami diese Scharade aufführt: Sie hofft auf das Kindheitsversprechen zwischen den Beiden. Wenn es Nanami gelingt, dass Kenji ihr glaubhaft 100 Gefallen schuldet, dann wird sie ihren Wunsch äußern...
Auch die anderen Mädchen vermissen Kenji - und wir sehen nun, welchen langfristigen Einfluss er auf sie ausgeübt hat. Misora zum Beispiel, die in einem erkennbar großen Haus wohnt, hat inzwischen damit begonnen, ihm in Sachen Motorrad-Bastelei nachzueifern.
Tae, die Schulsprecherin, hat natürlich mitbekommen, dass Nanami nicht mehr zum Unterricht erscheint, und versucht, diese darauf anzusprechen. Aber Nanami geht auch an Tae wortlos vorbei, und Tae wagt es nicht, sich dem trauernden Mädchen aufzudrängen.
Weit entfernt vom Schauplatz der Ereignisse wohnt Hiromi, die nun vor der Aufgabe steht, sich in ihrer neuen Umgebung einzuleben. In einer neuen Schuluniform macht sie sich auf den Weg zur Schule - doch gerade als sie ein Mädchen in derselben Schuluniform anzusprechen versucht...
| Hiromi: | Guten... |
|---|
...kommt ein anderes Mädchen vorbei, spricht
| Schuelerin1: | Guten Morgen! |
|---|---|
| Schuelerin2: | Ah, guten Morgen. |
| Schuelerin1: | Und, hast du alle Hausaufgaben fertig? |
Die beiden gehen weiter, ohne Hiromi zu beachten; das Mädchen bleibt traurig zurück. Auch an diesem Ort wird es wieder eine Weile dauern, neue Freunde zu gewinnen.
Ein neuer Tag, ein neuer Besuch von Nanami an Kenjis Krankenbett:
| Nanami: | Ken-chan, ich habe zwei Kinokarten. |
|---|---|
| Nanami: | Wollen wir da zusammen hingehen? |
| Nanami: | Moment mal... zwei Leute gemeinsam im Kino... |
| Nanami: | ...sowas nennt man doch ein Date, oder? |
| Nanami: | Das Popcorn da schmeckt prima, aber in der Cola ist mir zu viel Kohlensäure drin. |
| Nanami: | Ich glaube, ich trinke lieber einen Orangensaft. |
| Nanami: | Aber Ken-chan, du kannst Cola trinken! |
Auch diese Aussicht auf ein gemeinsames Date mit Nanami reicht jedoch nicht aus, um Kenji aufzuwecken. Wie beim ersten Mal verleiht Nanami ihrem Angebot mehr Nachdruck durch eine Zeitbegrenzung:
| Nanami: | Die Karten gelten nur noch eine Woche, wir müssen uns also beeilen. |
|---|
Doch direkt danach zerknüllt Nanami die Karten... sie weiß, dass Kenji sie nicht hören kann.
| Nanami: | Dafür schuldest du mir wieder einen Gefallen. |
|---|
Der Herbst hat die Blätter inzwischen bunt gefärbt, doch ansonsten hat sich die Lage nicht verändert. Suzuka saugt den Staub in Kenjis Zimmer und blickt dabei besorgt durchs Fenster hinüber in Richtung Nanami; ihr Vater kommt ins Zimmer und legt seiner tüchtigen Tochter aufmunternd die Hand auf die Schulter.
Und dann sehen wir Tae endlich mal nicht im Trainingsanzug, sondern in traditioneller japanischer Kleidung! Erst später werden wir sehen, was das bedeutet: Tae bricht offenbar die Schule ab und beginnt eine Ausbildung als Hotelfachfrau - ein Job, für den sie nach all den Jahren als Betreuerin ihrer kleinen Geschwister ausgezeichnete Voraussetzungen mitbringt.
Doch Nanami ist wie immer im Krankenhaus an Kenjis Bett:
| Nanami: | Es wird kalt draußen... ich mache mal lieber das Fenster zu. |
|---|
Nanami macht im Prinzip das Umgekehrte wie Kenji damals beim Sturm im Garten: Sie provoziert Gefallen von Kenji, damit sie einen Wunsch frei hat und sich wünschen darf, dass er aufwacht.
| Nanami: | Der Herbst hat begonnen. |
|---|---|
| Nanami: | Ken-chan, die Süßkartoffeln sind jetzt reif. |
| Nanami: | Wir müssen sie jetzt zusammen ernten. |
| Nanami: | Aber die Ernte wird wohl nicht besonders gut ausfallen. |
| Nanami: | Ich war in diesem Jahr nicht so fleißig bei der Gartenarbeit. |
Wie denn auch, wenn sie jeden Tag im Krankenhaus verbringt? Nanami kennt die Strafe für ihre "Faulheit":
| Nanami: | Dafür schulde ich dir einen Gefallen. |
|---|
Viele Bäume sind bereits kahl, die Blätter an den übrigen Bäumen sind dunkel - der Winter ist nicht mehr fern.
Nanamis Mutter macht einen Besuch im Gemüsegarten - und sieht dort zu ihrer Überraschung Suzuka bei der mühsamen Gartenarbeit! Kenjis Schwester ist für Nanami eingesprungen, die ihre Arbeit im Garten vernachlässigt hat, wie wir ja gerade im Krankenhaus erlebt haben. Wieder sind die beiden Familien Tomosaka und Konoe ein wenig enger zusammengerückt.
Hikari sitzt in ihrem Zimmer am Schreibtisch und schreibt etwas in ein Heft. Vor ihr auf dem Tisch liegt auf einem blauen Kissen die Perle, welche Kenji und Hatano für sie aus dem Meer gefischt haben, als sie damals beim Tauchen beinahe ertrunken wäre. Hikari räkelt sich, klopft mit der Fingerspitze ein paar Mal an den Behälter der Perle - und stürzt sich mit frischer Energie erneut ins Lernen.
Draußen ist es bereits stockdunkel - doch selbst zu dieser Uhrzeit sitzt Nanami noch an Kenjis Bett und versucht, mit dem Jungen zu reden.
| Nanami: | Dieses Jahr soll es kälter werden als im Letzten. |
|---|---|
| Nanami: | Vielleicht schneit es ja diesmal sogar. |
| Nanami: | Was hältst du davon, wenn wir dann einen Schneemann bauen? |
| Nanami: | Es gab hier schon seit Jahren keinen Schnee mehr. |
| Nanami: | Ach ja... |
| Nanami: | ...und ich möchte Weihnachten gemeinsam mit dir feiern. |
| Nanami: | Am liebsten nur mit dir ganz alleine. |
Doch zum ersten Mal stellt Nanami das Schauspiel, welches sie an Kenjis Bett veranstaltet, in Frage:
| Nanami: | Was rede ich da eigentlich...? |
|---|
Nanami hat sich ziemlich weit aus der Realität entfernt und in eine heile Traumwelt geflüchtet. Doch um sie herum ist das Leben nicht stehen geblieben - und langsam aber sicher macht sich ihre Umgebung ernste Sorgen um das Mädchen.
Der Winter bringt tatsächlich Schnee - dicke Flocken fallen zu Boden, als sich Suzuka mit einer Umhängetasche auf den Weg zum Krankenhaus macht. Sie klopft an Kenjis Zimmer - und wird vom Dauergast an Kenjis Bett empfangen:
| Nanami: | Suzuka-chan? |
|---|---|
| Nanami: | Du hast frische Wäsche für Ken-chan mitgebracht? |
| Suzuka: | Ja. |
| Nanami: | Er ist noch nicht wieder aufgewacht. |
| Nanami: | Aber sonst sieht er völlig gesund aus. |
Und zum ersten Mal lässt Nanami jemanden ihre eigene Verzweiflung sehen:
| Nanami: | Mir fällt nichts mehr ein, was ich noch tun könnte... |
|---|
Hatano im Weihnachtsmann-Kostüm hat Dienst an der Tankstelle seine Eltern:
| Hatano: | Beehren Sie uns bald wieder! |
|---|
Und er blickt hinaus in den Schneesturm.
Nanami hat einen kleinen Weihnachtsbaum mitgebracht:
| Nanami: | Es hat aufgehört zu schneien. |
|---|---|
| Nanami: | Aber auf dem Boden liegt noch Schnee. |
| Nanami: | Für einen kleinen Schneemann könnte es gerade noch reichen. |
| Nanami: | Ken-chan, wollen wir zusammen einen Schneemann bauen? |
Nanami zittert beträchtlich - ihre Selbstkontrolle liegt bereits in den letzten Zügen.
| Nanami: | Dafür schuldest du mir wieder einen Gefallen. |
|---|
Damit ist die magische Grenze erreicht, an der Nanami seit einem halben Jahr arbeitet:
| Nanami: | Nun sind es hundert Gefallen, die du mir schuldest, Ken-chan... |
|---|---|
| Nanami: | Du musst mir jetzt einen Wunsch erfüllen. |
| Nanami: | Du hast es mir versprochen. |
Als Kanon-Seher haben wir natürlich alle geahnt, was ihr Wunsch sein würde:
| Nanami: | Ich wünsche mir, dass du aufwachst. |
|---|---|
| Nanami: | Hey, Ken-chan! |
| Nanami: | Du schuldest mir hundert Gefallen! |
| Nanami: | Du musst meinen Wunsch erfüllen! |
Aber nichts passiert. Und nun endlich bricht Nanami weinend zusammen:
| Nanami: | Aufwachen, Ken-chan! |
|---|---|
| Nanami: | Wach doch endlich auf! |
| Nanami: | Wach auf... |
| Nanami: | Ken-chan, ich weiß doch gar nicht, |
| Nanami: | ...was ich ohne dich tun soll. |
Eben. Nanamis Leben drehte sich die ganze Zeit um Kenji, der immer in ihrer Nähe war - was ihr erst jetzt so richtig bewusst geworden ist:
| Nanami: | Ein Leben ohne dich... kann ich mir einfach nicht vorstellen. |
|---|
Und nun kommt das, was in anderen Serien erst im Abspann gezeigt wird: Wir sehen, was aus den ganzen Seitencharakteren geworden ist, die uns in dieser Serie begleitet haben. Sonst steht in der Schlussepisode der dramatische Höhepunkt im Zentrum der Handlung - aber was für eine "Handlung" ist denn von Nanami und Kenji noch zu erwarten?
Der Frühling ist ins Land gezogen, die Kirschbäume blühen - und für Hikari (die ein Jahr älter ist als Kenji und Nanami) geht die Schulzeit bereits zu Ende. Deshalb will sie sich schon mal das College ansehen, welches sie demnächst besuchen wird:
| Hikari: | Die werden Augen machen, was für eine süße neue Studentin sie bekommen. |
|---|
| Hikari: | Ab jetzt will ich endlich mal als Erwachsene behandelt werden! |
|---|
Was Kenji beispielsweise nicht tun würde... aber Hikaris Plan zur Erkundung des Geländes scheitert bereits am Eingang:
| Wachmann: | Einen Moment mal, mein Fräulein. |
|---|---|
| Hikari: | Hm, was ist denn? |
Der Wachmann nimmt Hikari am Handgelenk und zieht sie vorsichtig, aber unerbittlich hinter sich her, zurück zum Eingang:
| Wachmann: | Mittelschüler haben auf dem Gelände nichts zu suchen. |
|---|---|
| Hikari: | Mittelschüler? Aber ich bin doch... |
| Wachmann: | Und sich dann auch noch so herausputzen - also wirklich, diese Kinder heutzutage... |
| Hikari: | Jetzt hören Sie mir doch mal zu! |
Tja, Hikari - das war kein voller Erfolg in Sachen "Erwachsenwerden".
Tae steckt inzwischen in ihrer Ausbildung. Gerade balanciert sie einen ziemlich hohen Stapel von Bento-Boxen an der Rezeption des Hotels vorbei:
| TaesKollegin: | Tae-chan, nimm doch nicht so viele auf einmal! |
|---|---|
| Tae: | Das schaffe ich schon. |
Doch in eben dieser Szene war Tae einen Augenblick lang abgelenkt, und der Stapel beginnt so stark zu schwanken, dass sie ihn nicht mehr halten kann - die Boxen verteilen sich gleich mäßig über den Raum, zum Entsetzen der beiden Frauen:
| TaesKollegin: | T-Tae-chan? |
|---|
Tae ist hier erstmals die Kleine in der Hierarchie:
| Tae: | Tut mir leid. |
|---|
Doch ihre Kollegin (die ja nicht völlig unschuldig an diesem Zwischenfall ist) denkt zunächst an das Wichtigste:
| TaesKollegin: | Hast du dir weh getan? |
|---|---|
| Tae: | Nein. |
Auch in Hiromis Leben hat sich inzwischen einiges getan: Die beiden Mädchen aus ihrer Nachbarschaft, die wir vorhin bereits gesehen haben, warten nun morgens vor ihrer Haustüre - Hiromi hat also inzwischen neue Freundinnen gefunden.
| Schuelerin2: | Hiromi, bist du schon auf? |
|---|
Auf Hiromis Schreibtisch liegt ein Brief, den das Mädchen gerade fertig geschrieben hat.
| Schuelerin1: | Du kommst zu spät zum Unterricht. |
|---|
Hiromi steht vor einem Foto, das nicht genau zu erkennen ist - es könnte das Abschiedsgeschenk von Suzuka sein.
| Schuelerin1: | Beeil dich. |
|---|---|
| Hiromi: | Ja,... |
| Hiromi: | ...ich komme gleich. |
Anscheinend steht Hiromi im Briefwechsel mit Suzuka und ist daher über die Ereignisse in ihrer früheren Heimat informiert.
Und Misoras Leben hat sich durch ihren kurzen Aufenthalt bei Kenji und dessen Freunden am stärksten verändert:
| Misora: | Karotten, Erdbeeren, Zwergtomaten... |
|---|
Misora, die ja Gartenarbeit zunächst schrecklich öde gefunden und zudem eine Heidenangst vor Würmern und Käfern hatte, betreut inzwischen ihren eigenen kleinen Garten in der Stadt! Und sie scheint ganz in der Nähe von Hiromi zu wohnen, wie wir später sehen werden.
Selbst in Nanamis Leben hat sich etwas verändert: Sie geht wieder in die Schule - anscheinend hat ihre Mutter ihr ins Gewissen geredet. Auf dem Schulweg holt sie Hatano ein, der einigermaßen überrascht ist, das Mädchen wieder zu sehen:
| Hatano: | Nanami-chan? |
|---|---|
| Hatano: | Guten Morgen, Nanami-chan! |
Und noch jemand begrüßt Nanami zurück in der Welt der Lebenden, als Nanami das Klassenzimmer von Suzukas Klasse betritt:
| Suzuka: | Nanami-onee-chan! |
|---|---|
| Nanami: | Wir sind nun in derselben Klasse, Suzuka-chan. |
Nanamis Blinddarmoperation hatte noch in den Sommerferien gelegen, und sie war am Tag von Kenjis Unfall bereits wieder entlassen worden, als die Sommerferien offenbar noch nicht zu Ende waren. Doch durch ihre ständigen Besuche an Kenjis Bett hat sie so viel Unterricht versäumt, dass sie die Klasse nun komplett wiederholen muss.
| Suzuka: | Stimmt. |
|---|---|
| Suzuka: | Was ist denn mit deinen Haaren passiert? |
| Nanami: | Das ist meine neue Frühlingsfrisur. |
Nanami gibt also eine Erklärung ab, die allgemein akzeptiert würde - Suzuka schaut allerdings ziemlich ungläubig drein. Vielleicht ahnt sie den wahren Grund:
| Notiz: | Samurai-Tradition: Man schneidet sich die Haare ab, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt |
|---|
Denn Nanami hat beschlossen, ab jetzt erwachsen zu sein und ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen. Sie hat die Hoffnung aufgegeben, dass Kenji zu ihr zurückkehren wird.
Was natürlich nicht bedeutet, dass sie ihre Besuche im Krankenhaus (wo sie inzwischen wohlbekannt ist)...
| Krankenschwester: | Guten Tag. |
|---|---|
| Nanami: | Guten Tag. |
... etwa einstellen würde. Kenjis Zustand ist unverändert; Nanami erzählt dem Jungen das Neueste:
| Nanami: | Heute war ich wieder in der Schule. |
|---|
Wenn sie das extra erwähnen muss, dann war es das erste Mal seit langer Zeit - also hat sie 9 Monate lang jeden Tag an Kenjis Bett gesessen!
| Nanami: | Aber ich muss die zweite Klasse wiederholen. |
|---|---|
| Nanami: | Ken-chan, auch du bist jetzt wieder in der zweiten Klasse. |
| Nanami: | Zum ersten Mal gehen wir beide in dieselbe Klasse wie Suzuka-chan. |
| Nanami: | Komm schon, wach auf. |
| Nanami: | Ich werde auch nicht mehr weinen. |
Das nämlich ist es, was sie mit ihrem Haarschnitt eigentlich ausdrücken wollte: Ich bin kein Kind, keine Heulsuse mehr. Doch die Träne, die ihre Wange hinab läuft, zeigt deutlich, dass das mit der Umsetzung ihres Entschlusses nicht so einfach ist.
| Nanami: | Ich werde es wenigstens versuchen... |
|---|
Kenjis Unfall hat die beiden Nachbar-Familien enger zusammenrücken lassen: Geteiltes Leid ist halbes Leid, und man hilft einander, wo man kann. Suzuka und Nanami kochen gemeinsam für ihre Eltern im Haus der Tomosakas; Nanami arbeitet wieder im Cafe ihrer Mutter; auch Kenjis Vater hat inzwischen einen Teil der Pflichten seines Sohnes übernommen und bringt das Gemüse ins Cafe Konoe. Insbesondere die beiden Eltern sind einander offenbar näher gekommen. Nach und nach hält der Alltag wieder Einzug im Leben der beiden Familien. Und wieder hat ein Sommer begonnen - erkennbar daran, dass Cousine Hikari zu Besuch kommt wie jedes Jahr. Nur Nanami sitzt immer noch in jeder freien Minute an Kenjis Bett...
Und genau deshalb besucht Hikari das "Ehepaar" Kenji und Nanami im Krankenhaus:
| Hikari: | Hallo, ihr beiden! |
|---|---|
| Nanami: | Hikari-chan,... |
| Nanami: | ...hast du schon wieder Ferien? |
| Hikari: | Klar doch, es ist ja schon Sommer. |
| Hikari: | Was ist mit deinen Haaren? |
Nanamis bezieht die Frage auf ihre neue Frisur:
| Nanami: | Die habe ich abgeschnitten. |
|---|
Doch Hikari meint etwas Anderes:
| Hikari: | Das meinte ich gar nicht. |
|---|---|
| Hikari: | Was ist aus deiner Haarspange geworden? |
Hoppla! Hikari vermisst die Haarspange? Kennt sie die Geschichte mit deren "Freund" als Kenjis Geschenk vor dessen Unfall? Sieht so aus, denn Nanami erklärt:
| Nanami: | Ach so, die Haarspange... |
|---|
Nanami hält ein glockenähnliches Instrument hoch, das sie selbst gebastelt hat:
| Nanami: | Nachdem sie ja einen Freund gefunden hatte, dachte ich, es wäre eine gute Idee, ein Windspiel daraus zu machen. |
|---|---|
| Notiz: | Windspiel: Regelt die Lebensenergie (Ki) in einem Raum (zieht positive Energie an, wehrt negative Energie ab) |
Das Windspiel könnte also zu Kenjis Heilung beitragen. Und es enthält die Haarspangen ausgerechnet der beiden Mädchen, die in Kenji verliebt sind! Nanami befestigt das (offenbar gerade erst mitgebrachte) Windspiel am Fenster; Hikari kommentiert:
| Hikari: | Das sieht dir ähnlich. |
|---|
Doch eigentlich hat sie etwas viel Grundsätzlicheres mit Nanami zu besprechen:
| Hikari: | Sag mal, wie lange willst du eigentlich noch so weitermachen? |
|---|
Eine gute Frage, auf die Nanami allerdings keine Antwort hat:
| Nanami: | Wie lange? |
|---|---|
| Nanami: | Ich glaube, das weiß ich selbst nicht. |
| Hikari: | Nanami... |
| Nanami: | Aber ich habe keine Wahl. |
| Nanami: | Wir beide sind doch... |
"...füreinander bestimmt". Daran hat auch Nanamis neue Frisur nichts geändert. Das Glöckchen mit den beiden Fischlein erklingt im Wind, doch Kenji liegt nach wie vor im Koma.
Ohne wirklich etwas erreicht zu haben, verlässt Hikari das Krankenhaus. Vor dem Eingang warten Hatano und Suzuka auf sie:
| Hatano: | Hikari-chan. |
|---|---|
| Suzuka: | Hast du mit Nanami-onee-chan geredet? |
| Hikari: | Die beiden halten zusammen wie Pech und Schwefel... |
| Hikari: | ...da kann ich auch nichts machen. |
Anscheinend haben also Hatano und Suzuka die durchsetzungsfähige Hikari gebeten, Nanami ins Gewissen zu reden - aber Hikari hat sofort gesehen, dass ihre Worte auf taube Ohren gestoßen wären.
In Kenjis Krankenzimmer liefert Nanamis dem Publikum die Erklärung, wieso sie sich nicht von Kenji trennen kann:
| Nanami: | Ich habe keine Wahl, weil "das" zwischen uns ist. |
|---|
Und zur Erklärung folgt die letzte und wichtigste Rückblende in die Kindertage während der gesamten Serie:
| Nanami: | Ich möchte, dass du es mir klar und deutlich sagst. |
|---|---|
| Nanami: | Was bedeutet "das"? |
| Kenji: | Das also ist der Wunsch, den ich dir nach hundert Gefallen erfüllen soll? |
| Nanami: | Ja, genau. |
| Nanami: | Komm schon, sag's mir. |
Kenji druckst herum, aber Nanami besteht darauf:
| Nanami: | Ken-chan? |
|---|---|
| Kenji: | Ich mag dich sehr gern. |
| Kenji: | Äh... ich meine... |
| Nanami: | Also... ähm... |
| Nanami: | ...ich dich auch. |
Betretenes Schweigen auf beiden Seiten... und Kenji macht einen Rückzieher:
| Kenji: | Ich hab das nicht ernst gemeint. |
|---|---|
| Kenji: | Das war nur Spaß. Das musst du doch gemerkt haben. |
Nanami widerruft nun ebenfalls ihr Geständnis:
| Nanami: | Bei mir auch, ich habe das auch nicht ernst gemeint. |
|---|
An ihrem Blick kann man erkennen, wie sehr sie enttäuscht ist.
Wieder im Krankenzimmer folgt die Erklärung für diesen Rückblick:
| Nanami: | Damals habe ich gelogen. |
|---|---|
| Nanami: | Ich hatte es sehr wohl ernst gemeint... |
| Nanami: | Ich liebe dich, mehr als alles auf der Welt. |
Endlich steht Nanami zu ihren Gefühlen und spricht sie offen aus - sie korrigiert damit ihren Fehler aus Episode 10 vom gemeinsamen Motorrad-Ausflug.
Nanami bricht in Tränen aus; Kenji liegt unbeweglich auf seinem Krankenbett... doch in diesem Moment erfasst der Wind das Windspiel am Fenster und bringt es zum Erklingen! Was Nanami daran erinnert, dass sie vergessen hat, das Fenster zu schließen:
| Nanami: | Der Wind ist ganz schön stark. |
|---|---|
| Nanami: | Ich mache mal lieber das Fenster zu. |
Nanami blickt zu den beiden Fischlein hinauf, die sie über dem Fenster aufgehängt hat - wie wunderbar harmonisch passen diese beiden Haarspangen doch zusammen. Entgegen ihrer Ankündigung steht Nanami wie gebannt am Fenster und blickt hinaus in die Ferne, als plötzlich...
| Kenji: | Was für ein wundervoller Klang. |
|---|
Nanami schrickt zusammen - und die schwere Streichermusik setzt zum Happy End ein:
| Nanami: | Ken-chan...? |
|---|---|
| Kenji: | Und, mag sie ihren neuen Freund? |
| Kenji: | Nicht weinen, Nanami. |
Doch bei Nanami brechen in diesem Augenblick alle Dämme:
| Nanami: | Ken-chan!!! |
|---|
Und der längste Sommer im Leben der beiden nimmt seine Fortsetzung.
Epilog (Nanami und Kenji sitzen am Strand unter einem Sonnenschirm und genießen gemeinsam den Sommer, wie im ersten ED-Song beschrieben; Nanami als gelernte Gastwirtin ist für die Verpflegung zuständig - sie öffnet ihre Kühltasche und holt zwei Flaschen Limonade heraus):
| Nanami: | Bitte sehr, frisch gekühlt! |
|---|---|
| Kenji: | Danke schön. |
Kenji drückt die Verschlusskugel seiner Flasche nach innen und nimmt einen tiefen Schluck zur Erfrischung; Nanami sieht ihm dabei fasziniert zu, mit ihrer Flasche in der Hand... als Kenji das bemerkt und sie ansieht, wird ihr bewusst, dass sie ja eigentlich auch Durst hatte und sich bei seinem Anblick hatte "gehen lassen". Doch Nanami bekommt ihre Flasche nicht auf und müht sich damit ab (wobei sie die Flasche unwillkürlich schüttelt); Kenji hat inzwischen seine Flasche leer getrunken und bietet ihr seine Hilfe an:
| Kenji: | Lass mich mal. |
|---|---|
| Nanami: | Äh, okay. |
Nanami beugt sich zu Kenji hinüber, um die Öffnung der Flasche aus nächster Nähe zu betrachten; Kenji öffnet die Flasche mühelos, aber durch das Schütteln spritzt die Limonade sofort heraus, und aufgrund ihrer Neugier direkt in Nanamis Gesicht! Nanami ist entsprechend sauer - aber Kenji ist völlig unschuldig an diesem Missgeschick:
| Kenji: | Das war keine Absicht... |
|---|---|
| Kenji: | Ganz ehrlich! |
Das ist Nanami egal - mit erhobenem Zeigefinger verhängt sie die übliche Strafe für solche Vergehen:
| Nanami: | Dafür schuldest du mir wieder einen Gefallen, Ken-chan. |
|---|---|
| Kenji: | Einverstanden. |
Womit die Sache erledigt wäre. Kenji reicht Nanami die Flasche hinüber, diese schmiegt sich an ihn, und beide lassen ihren Blick hinaus auf das weite Meer schweifen...
Zusätzliches DVD-Material (mit einem Blick in die Zukunft der Hauptakteure):
| GameShogun: | Im Vergleich zu den Menschen der letzten 50 Jahre... |
|---|---|
| GameShogun: | ...in den unbuddhistischen Schriften seid ihr wie Trugbilder in einem Traum. |
| GameAlien: | Spar dir deine schönen Sprüche, ihr seid am Ende. |
| GameAlien: | Und so ging Japan zu Grunde. |
Kenji sitzt mal wieder vor seiner Spielekonsole:
| Kenji: | Wieso nur? |
|---|---|
| Kenji: | Warum zerstören sie Japan? |
Nanami kommt zu Besuch:
| Nanami: | Ken-chan... ich komme rein. |
|---|---|
| Nanami: | Ah, du spielst schon wieder. |
| Kenji: | Stimmt doch gar nicht, Nanami-sensei. Ich pauke Geschichte. |
| Nanami: | Außerdem zerstören sie es schon wieder. |
Nanami macht sich Sorgen um Kenjis schulische Leistungen (nach immerhin fast einem ganzen Jahr im Koma!):
| Nanami: | Du bist wohl mit dem Stoff schon ein Jahr zurück. |
|---|---|
| Kenji: | Im Moment sind es drei Wochen. |
| Nanami: | Das musst du aufholen... |
Kenji konzentriert sich mehr auf sein Spiel als auf seine Besucherin:
| Kenji: | Hä? Aus dem Bambuswald sind Krieger rausgekommen. |
|---|---|
| Nanami: | Ken-chan, hörst du mir zu? |
| Nanami: | Mensch! |
Nanami wählt die harte Lösung, um Gehör zu finden - sie zieht einfach den Stecker raus! Kenji schreit, dass die Heide wackelt:
| Kenji: | Sag mal, bist du noch zu retten? |
|---|---|
| Nanami: | Du bist selbst Schuld, Ken-chan! |
| Kenji: | Wie oft muss ich noch sagen, dass das Geschichte lernen ist? |
| Nanami: | Das sagst du, aber warum lassen sie dabei Japan untergehen? |
| Kenji: | In der Geschichte gibt es unzählige Möglichkeiten. |
Das laute Streitgespräch ist auch eine Etage tiefer deutlich zu hören:
| Mutter: | Hör nur, die beiden sind wieder wie früher. |
|---|---|
| Vater: | Oh, nun ja, stimmt. |
Doch auch Kenjis Vater hat noch ein Thema anzusprechen und nähert sich diesem mit aller Vorsicht:
| Vater: | Ko-Konoe-san... |
|---|---|
| Mutter: | Ja? |
| Vater: | Also, äh... ich hätte da etwas mit Ihnen zu besprechen... |
| Mutter: | Was denn? |
Suzuka liegt wenige Meter entfernt auf der Couch im Wohnzimmer und drückt ihrem Vater alle Daumen bei der Eroberung einer neuen Lebensgefährtin:
| Suzuka: | Viel Erfolg, Vater! |
|---|